Wie ich 7,50€ aus dem Fenster warf

Man fragte mich kurzfristig ob ich nicht Lust hätte, am Freitag ins Kino zu gehen, um „Carrie“ zu schauen. Da ich am besagten Tag nichts vorhatte, stimmte ich einfach mal zu. Ich habe natürlich noch nie etwas von dem Film „Carrie“ gehört (was ich jetzt allerdings allmählich verstehe) und schaute mir den deutschen Trailer zum Film an. Zunächst dachte ich „Och nä, schon wieder ein Teenie-Twilight-ich-bin-irgendwie-anders-und-jeder-hasst-mich“-Gedöns? Doch relativ am Ende des Trailers zeigte man, wie die Hauptdarstellerin zu ihrem Abschlussball ging und alle Menschen tötete. Das erfreute mich natürlich und war zunächst total zufrieden.

Freitag: ich saß also im Kinosaal, dachte eigentlich, er müsse voller sein, da der Film erst seit einem Tag in den deutschen Kinos war, aber dem war nicht so. Die vorderen, acht oder neun Reihen waren vollständig leer. Aber okay, Saarlouis ist eine kleine Stadt und freitagabends ist man sowieso meistens schon zu betrunken um den Eingang eines Kinos zu finden.
Der Film fing damit an, dass man die Seltsamkeit der Hauptdarstellerin (Carrie) zeigte. Natürlich im Schwimmunterricht, viel nackte Haut, das Mädchen, das beängstigend in einer Ecke steht und sich Nichts traut, und dann noch die schöne, große Blondine, die noch kurz mit ihrem Freund rummacht, bevor sie ins Wasser springt. Alles voll normal, normal für jeden  Teenie-Film. Während man also gespannt darauf wartet, wie Carrie letztendlich alle Mitschüler tötet, musste man also noch das ganze Außenseiter-Ding mit dem Mobbing ausharren. Die Mobbing-Attacke war vermutlich die beste Szene im ganzen Film (neben der Abschlussball-Blutkatastrophe): man sieht, wie Carrie ihre erste Periode unter der Dusche nach dem Sportunterricht bekam, nichts von irgendeiner „Periode“ wusste und ihre Mitschülerinnen um Hilfe rief, blutüberströmt, denn bei einer Periode blutet man natürlich aus allen Öffnungen. Da stand sie also, hilferufend, schlicht mit einem Tuch umwickelt und denkt, dass sie verbluten wird. Was tun ihre Mitschülerinnen? Natürlich das, was sonst jeder tun würde: sie mit Tampons bewerfen. Schöne Szene, wie schon gesagt.
Ihre Lehrer mussten verständlicherweise ihre Mutter anrufen und ihr mitteilen, dass sie nicht in Biologie aufgepasst hat. Ihre Mutter, die wahrscheinlich witzigste Person der Welt. „Du hast Sünde begangen! Warst nackt in der Umkleide mit anderen Frauen und spieltest mit deinen Gelüsten“ (oder sowas in der Art); Zitat-Ende. Auf jeden Fall waren Mimik und Gestik der Mutter wahrlich belustigend, anstatt angsteinflößend. Wir im Kino lachten, anstatt schockiert auf die Leinwand zu starren und uns zu fragen, weshalb solch gestörte Kreaturen existieren. Man hätte aus dem Film einen wirklichen guten Comedy-Film machen können. Wirklich. Ich hätte ihn wahrscheinlich dann auch super gut gefunden. Durch diese ganze Perioden-Geschichte entwickelte sich eine Mobbing-Attacke nach der anderen und man zeigte dem  Zuschauer mal wieder, wie schwer Carrie es doch hat. Die Blonde allerdings bekam Schuldgefühle und anstatt einem „Es tut mir Leid“, zwang sie ihren Freund, mit Carrie auf den Abschlussball zu gehen, damit auch sie mal einen schönen Tag hat. Ja, wieso auch nicht. Ihr Freund fragt Carrie, Carrie sagt natürlich ja, macht sich hübsch, und so weiter. Zwischen diesen ganzen Stories hat sie plötzlich noch irgendwelche Superkräfte bekommen und wendet diese gegen ihre coole Mum an, die nämlich der Meinung ist, dass ihre Brüste nur „dreckige Kissen“ seien. „Nein Mum, das sind Brüste. Ich habe Brüste und du hast auch welche!“, danke Carrie, ETWAS ist in Bio also doch hängengeblieben. Dann kam natürlich iiiiiirgendwann diese  Abschlussball-Szene, der erste Tanz und das „du-bist-so-schön“-Gelaber des Jungen, welches natürlich mit einem lauten „GAAAAAAAY“ im Kinosaal unterstrichen wurde. Nachdem also 99% des ganzen US-Teenie-Drama-Zeugs vorbei ist, kamen 1% Blutbad drin vor, also das, was man schon im Trailer sah. Achtung Spoiler: Sie tötete ihre Mitschüler, WORAUF MAN NIEMALS GEKOMMEN WÄRE. Was am Ende passiert ist, weiß ich durch das Schnarchen meines Nachbars nicht genau, aber ich glaube, sie tötete ihre Mum, was alles noch langweiliger machte. Die Blonde war schwanger und ihr Freund ist durch einen herabstürzenden Eimer gestorben. ENDE.
Natürlich fragt man sich am Ende eines Filmes immer: Was will man uns mit dieser Art „Kunst“  sagen? Meine Theorien: 1. Mit Achtzehn bekommt man seine erste Periode. 2. Ein Eimer kann Menschen töten und 3. Brüste werden von Gläubigen als „dreckige Kissen“ bezeichnet.

Wir alle verließen den Kinosaal und ich hörte, wie viele andere genauso enttäuscht waren wie ich. „Wie war der Film“? – „Scheiße, total scheiße.“
Insgesamt muss ich sagen, war das größte Highlight dieser zwei Stunden wahrscheinlich der Moment, als ich den Kinosaal fragte, ob jemand meine restlichen Nachos haben möchte.
Jemand sagte, es hätte gar keine Spannung gegeben, und dann fiel es mir auch auf: es. gab. keine. Spannung! Man wusste immer und immer und immer wieder was als nächstes passieren wird und das war alles so 0815, dass man wirklich nur da rum saß und Carrie blöd fand. Auch von den schauspielerischen Fähigkeiten her war das kein Kunstwerk. Die Schauspielerin, die Carrie spielen musste, war nicht gerade atemberaubend gut, denn es ist meistens so, dass ein Film, der von der Handlung her schlecht ist, wenigstens gute Schauspieler haben muss, aber in dem Fall war es mal wieder ein Flop. Die deutsche Synchronstimme des Freundes der Blondine war im Übrigen grauenhaft. Die Stimme nervte mich und hörte sich auch nicht so rein an, ich denke sogar, dass gelispelt wurde, bis mir jemand sagte, dass es die Stimme von dem einen Kerl aus GZSZ war, der auch mal  DSDS moderierte. Okay, alles klar, alles fügt sich, alles passt.
Insgesamt also eine leider schlechte Leistung, obwohl ich aber nicht Stephen King dafür verantwortlich machen möchte, lediglich die Filmemacher.  Ich bin mir sicher, dass sie so einiges anders hätten machen können. Wenn das Publikum bei einem Horror-Film lacht, muss etwas falsch gelaufen sein.

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Ein Gedanke zu “Wie ich 7,50€ aus dem Fenster warf

  1. Dennis schreibt:

    Eigentlich wollte ich auch in den Film, weil der Trailer doch ziemlich gut aussah. Sogar viel besser als das Buch.
    Denn für das Buch gebe ich dir einen Tipp: Es hinterlässt zwar irgendeinen Eindruck, aber es ist nicht gut. Deswegen wohl eher nicht empfehlenswert.
    Mir fällt nur ein Grund ein das Buch zu lesen. Und zwar nur um zu sehen, wie Stephen Kings erstes erfolgreiches Buch so aufgebaut war. Sonst nicht.

    Aber ich muss danke sagen. Du hast mich davor bewahrt Geld rauszuwerfen.

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